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Folge 25

Dr. Marie Nitzschner: Kommunikation, Kooperation und die Persönlichkeit des Hundes

Über Kooperation, Kommunikation und die Persönlichkeit des Hundes

15.03.2021 · 47 Minuten
Dr. Marie Nitzschner
Zu Gast: Dr. Marie Nitzschner · Verhaltensbiologin, Hundetrainerin & Autorin
Dr. Marie Nitzschner: Kommunikation, Kooperation und die Persönlichkeit des Hundes

In dieser Interviewfolge spricht Merle mit der Verhaltensbiologin, Autorin und Hundetrainerin Dr. Marie Nitzschner über ihren Weg von der Hundeforschung in die praktische Trainingsarbeit. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen rund um Kommunikation und Kooperation zwischen Mensch und Hund sowie die wissenschaftliche Perspektive auf die Persönlichkeit von Hunden. Außerdem geht es darum, wie wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll in die Hundewelt vermittelt werden können.

Dr. Marie Nitzschner: Kommunikation, Kooperation und die Persönlichkeit des Hundes

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Die Persönlichkeit von Hunden ist ein Thema, das sowohl in der Forschung als auch in der praktischen Hundewelt zunehmend Aufmerksamkeit erhält. Gleichzeitig kursieren rund um Verhalten, Intelligenz oder rassetypische Eigenschaften viele vereinfachte Annahmen und Mythen. In dieser Episode spricht Merle mit der Verhaltensbiologin Dr. Marie Nitzschner darüber, wie Persönlichkeit beim Hund wissenschaftlich beschrieben wird und welche Rolle genetische Voraussetzungen, Umweltbedingungen und individuelle Erfahrungen spielen. Darüber hinaus gibt Marie Einblicke in ihren persönlichen Weg von der Forschung am Max-Planck-Institut in die praktische Arbeit als Hundetrainerin sowie in ihre Motivation, wissenschaftliche Inhalte verständlich und differenziert in die Hundewelt zu vermitteln.
Kernaussage der Episode

Verhalten und Persönlichkeit beim Hund lassen sich nur sinnvoll verstehen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse, individuelle Unterschiede sowie der Einfluss von Genetik, Umwelt und Lernerfahrungen gemeinsam betrachtet werden.

Der Weg von der Wissenschaft in die Hundetrainingspraxis

Dr. Marie Nitzschner hat viele Jahre als Verhaltensbiologin in der Hundeforschung gearbeitet, unter anderem am Max-Planck-Institut in Leipzig. Dort beschäftigte sie sich mit den kognitiven Fähigkeiten von Hunden und mit grundlegenden Fragen zur Verhaltensbiologie.

Im Gespräch beschreibt sie, wie sie sich nach mehreren Jahren in der Wissenschaft zunehmend fragte, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll in die praktische Arbeit mit Hunden übertragen lassen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Mitgründung der Hundetrainer:innen-Ausbildung KynoLogisch, bei der sie bis heute als Dozentin und Koordinatorin tätig ist.

Ihr Ziel ist es dabei, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen nicht nur innerhalb der Forschung diskutiert werden, sondern auch für Hundetrainerinnen, Trainer und Hundehalter verständlich und nutzbar werden.

Kommunikation und Kooperation im Hundetraining

Ein zentrales Thema der Folge ist die Rolle von Kommunikation und Kooperation im Hundetraining. Marie betont, dass gutes Training nicht nur bedeutet, dem Hund bestimmte Signale beizubringen.

Mindestens genauso wichtig sei es, dass Menschen lernen, ihren Hund im Alltag zu verstehen und ihn sicher durch unterschiedliche Situationen zu begleiten. Ein Trainer kann zwar bestimmte Übungen vormachen, entscheidend ist jedoch, dass Halterinnen und Halter selbst lernen, diese Fähigkeiten aufzubauen.

Damit verändert sich auch die Rolle von Hundetrainerinnen und Hundetrainern. Sie vermitteln nicht nur Trainingsmethoden, sondern unterstützen Menschen dabei, Kompetenzen im Umgang mit ihrem Hund zu entwickeln.

Wissenschaftskommunikation in der Hundewelt

Neben ihrer praktischen Arbeit engagiert sich Marie stark in der Wissenschaftskommunikation. Mit ihrem Blog „Hundeprofil“ bereitet sie wissenschaftliche Studien und Forschungsergebnisse so auf, dass sie auch für Menschen außerhalb der Wissenschaft verständlich werden.

Motivation dafür war unter anderem die Beobachtung, dass wissenschaftliche Ergebnisse in der Hundeszene häufig verkürzt oder ideologisch interpretiert werden. Aussagen wie „wissenschaftlich bewiesen“ werden dabei oft genutzt, um bestimmte Trainingsmethoden oder Überzeugungen zu legitimieren, obwohl die tatsächliche Studienlage deutlich komplexer ist.

Durch ihre Arbeit versucht sie deshalb, mehr Differenzierung in diese Diskussion zu bringen und zu zeigen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse selten einfache Antworten liefern.

Was unter der Persönlichkeit des Hundes verstanden wird

Im Gespräch erklärt Marie außerdem, wie Persönlichkeit beim Hund in der Forschung beschrieben wird. Gemeint sind dabei zeit- und situationsstabile Verhaltensmerkmale, also Tendenzen, die sich bei einem Individuum über längere Zeiträume hinweg und in unterschiedlichen Situationen zeigen.

In der wissenschaftlichen Literatur werden häufig mehrere grundlegende Persönlichkeitsdimensionen beschrieben. Dazu gehören unter anderem Aggressivität, Aktivitätslevel, Ängstlichkeit, Geselligkeit und Trainierbarkeit.

Diese Kategorien helfen dabei, Verhalten systematisch zu beschreiben und zu vergleichen. Gleichzeitig betont Marie, dass solche Einteilungen nicht als starre Persönlichkeitstypen verstanden werden dürfen. Sie beschreiben statistische Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten, nicht festgelegte Eigenschaften eines individuellen Hundes.

Genetik, Umwelt und die Grenzen pauschaler Aussagen

Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist das Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umweltbedingungen. Hunde bringen genetische Voraussetzungen mit, die bestimmte Verhaltensdispositionen beeinflussen können. Gleichzeitig wird die tatsächliche Ausprägung von Verhalten stark durch Erfahrungen, Aufzuchtbedingungen und Lernprozesse geprägt.

Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Heritabilität. Sie beschreibt, in welchem Ausmaß Unterschiede innerhalb einer Population genetisch erklärt werden können. Wichtig ist dabei jedoch, dass solche Werte immer nur für die konkret untersuchte Population gelten und nicht automatisch auf andere Hunde oder Rassen übertragen werden können.

Gerade an diesem Punkt entstehen in der Hundewelt häufig Missverständnisse. Durchschnittswerte werden schnell als allgemeingültige Aussagen interpretiert. Tatsächlich bleibt jedes Tier ein Individuum, dessen Verhalten von vielen Faktoren gleichzeitig beeinflusst wird.

Häufige Fragen zur Persönlichkeit des Hundes

Ab wann lässt sich die Persönlichkeit eines Hundes erkennen? +

Einzelne Verhaltensmerkmale können bereits früh beobachtet werden. Als relativ stabil gelten viele Persönlichkeitsmerkmale jedoch erst im Alter zwischen etwa ein und zwei Jahren.

Sind Welpentests sinnvoll? +

Welpentests können helfen, den aktuellen Entwicklungsstand eines Hundes einzuschätzen. Studien zeigen jedoch, dass sich daraus nur begrenzt Vorhersagen über die Persönlichkeit im Erwachsenenalter ableiten lassen.

Gibt es rassetypische Persönlichkeiten? +

Studien zeigen Unterschiede zwischen Populationen und damit auch zwischen Rassen. Diese Unterschiede beschreiben jedoch Wahrscheinlichkeiten und lassen sich nicht automatisch auf jedes einzelne Individuum übertragen.

Ist Aggressivität erblich? +

Aggressives Verhalten kann eine genetische Komponente haben. Gleichzeitig spielen Umweltbedingungen, Lernerfahrungen und Aufzucht eine wichtige Rolle.

Sind manche Hunderassen intelligenter als andere? +

Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil schon der Begriff „Intelligenz“ nicht eindeutig definiert ist. Verschiedene Hunde können unterschiedliche kognitive Stärken haben.

Kann man die Persönlichkeit seines Hundes beeinflussen? +

Innerhalb genetischer Rahmenbedingungen können Erfahrungen, Umweltbedingungen und Training durchaus Einfluss auf bestimmte Verhaltensdimensionen nehmen.

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